Leichtbau im Fokus

Neue Bandzuführanlagen mit Hochleistungsrichtmaschine für die Produktion von Autositzschienen

Siegen. Das auf die Entwicklung, Konstruktion und Fertigung von Richtmaschinen und Bandanlagen spezialisierte Unternehmen Schnutz liefert drei neue Bandzuführanlagen mit Hochleistungsrichtmaschine an Adient, einen weltweit tätigen Automobilzulieferer. Damit lassen sich auch hochfeste Stähle problemlos verarbeiten.

Das Unternehmen Adient ist führend im Bereich der Herstellung von Sitzen und entsprechenden Komponenten für Fahrzeuge. Jährlich werden mehr als 25.000.000 Fahrzeuge mit Produkten aus den weltweit ­verteilten Standorten des Unternehmens ausgerüstet. Sicherheit, Funktionalität und Kom­fort werden dabei mit bewährter Qualität verbunden.

Wie alle Komponenten eines Fahrzeuges stehen auch Sitze mit ihren Anbauteilen unter dem Zwang der Gewichtsreduzierung. Sitze und die entsprechenden Befestigungselemente sind darüber hinaus sicherheitsrelevante Bauteile. Neben den üblichen Be­­lastungen während eines langen Fahrzeuglebens müssen diese Komponenten im Falle eines Unfalls enormen Kräften standhalten. Kompromisse sind hier nicht zulässig. Das Ziel der Gewichtsreduktion bei gleichzeitig hoher Belastbarkeit lässt sich daher nur durch den Einsatz hochfester Werkstoffe erreichen.

Adient fertigt unter anderem an seinem Standort in Solingen auf mehreren Pressenlinien Sitzschienen, für die dieselben Herausforderungen und Qualitätsanforderungen wie für komplette Sitze gelten.

Die Sitzschienen werden aus hochfesten Stahlwerkstoffen gefertigt, wobei die Streckgrenzen und Zugfestigkeiten der eingesetzten Stahlwerkstoffe in den letzten Jahren mit der Verfügbarkeit entsprechender Werkstoffe immer höher geworden sind.

Der mit steigenden Streckgrenzen einhergehende hohe Umformwiderstand dieser Stähle stellt besondere Anforderungen an die Umformprozesse und die eingesetzte Anlagentechnik. Vorhandene Anlagen sind oftmals nicht in der Lage die modernen Werkstoffe zu verarbeiten. Der komplexe mehrstufige Umformprozess in einer Hochleistungspresse erfordert außerdem eine besondere Behandlung des hochfesten Materials bei der Zuführung.

Nach dem Abwickeln vom Coil muss das Bandmaterial gerichtet werden. Neben der Beseitigung der Coilkrümmung ist es besonders wichtig, dass das Band keine Krümmung quer zur Bandlaufrichtung, die so­­genannte Schüsselform, aufweist. Diese Schüsselform stellt bei hochfesten Stählen eine besondere Herausforderung dar, da diese Formtoleranz die weitere Verarbeitung in einer Presse extrem behindert oder sogar verhindert.

Adient hat daher für das Werk in Solingen drei neue, entsprechend leistungsfähige Bandzuführanlagen bestellt. Besonderes Augenmerk galt dabei aus den oben genannten Gründen natürlich der Richtmaschine. Diese muss nicht nur für eine perfekte Planlage sorgen, sondern auch die Eigenspannungen in dem Bandmaterial abbauen. Dies ist erforderlich, damit das Material auch nach der weiteren Umformung vorgegebene Form- und Lagetoleranzen einhält.

Vor der Vergabe der Aufträge hat Adient umfangreiche Tests bei verschiedenen Anbietern durchgeführt. Den Auftrag für die Lieferung der drei Anlagen bekam schließlich die Schnutz GmbH. Im Technikum des Siegerländer Traditionsunternehmens wurden gemeinsam ausgiebige Richtversuche mit entsprechenden Werkstoffen gemacht. Schon die Ergebnisse dieser Versuche waren sehr vielversprechend.

Die Richtexperten aus Siegen haben seit vielen Jahren Erfahrung mit dem Richten von hochfesten Stählen und verfügen außer­dem über Simulationsprogramme, mit denen sich der Umformprozess und die plastische Um­­formung des Werkstoffes in der Richtmaschine simulieren lassen. Auf Grundlage der vorhandenen Erfahrungen und mit den Simulationsergebnissen können die entscheidenden Konstruktionsparameter optimal auf das Material des Kunden abgestimmt werden.

Nur wenn die Geometrie der Richtmaschine zu dem jeweiligen Produktmix passt, lassen sich beste Ergebnisse bei Planheit und Eigenspannungszustand erreichen. Auf diese Abstimmung legen die Spezialisten bei Schnutz großen Wert. Entsprechende Untersuchungen sind die Grundlage für jedes Angebot.

Schnutz, seit 2014 Tochtergesellschaft der Burghardt + Schmidt GmbH in Remchingen, liefert dabei nicht nur die Richtmaschine, sondern die komplette Bandzuführanlage. Diese besteht neben der Richtmaschine mit integrierter Einführeinheit aus einem Bundhubwagen, dem Abhaspel, der Schlaufenausrüstung und der entsprechenden Automatisierung und Sicherheitstechnik.

Die Coils werden von einem Bundhubwagen auf den Abhaspel geschoben. Dabei wird das Coil automatisch auf der Höhe des Haspeldorns platziert. Nachdem der Haspeldorn das Coil gespannt hat, wird das Coil automatisch so gedreht, dass der Bandanfang nach dem Lösen des Bindebandes auf dem Einführtisch zu liegen kommt.

Nach dem Öffnen des Bindebandes wird das Band von dem Einführtreiber durch die Richtmaschine und über den Überleittisch dem Vorschubtreiber der Presse zugeführt. Der hohe Automatisierungsgrad und die eingesetzte Sicherheitstechnik ermöglichen den Ein-Mann-Betrieb der gesamten Pressenlinie.

Die erste dieser Anlagen wurde im Januar dieses Jahres in Betrieb genommen. Bis zur Jahresmitte werden zwei weitere Anlagen folgen. Die vorliegenden Betriebsergebnisse zeigen, dass die Bandanlagen die Erwartungen in vollem Umfang erfüllen. Mithilfe der Richtmaschine kann die Schüsselform auch bei hohen Materialfestigkeiten sicher beseitigt werden. Die Ausbringung der neuen Anlage konnte nahezu verdoppelt werden. Der Standort in Solingen ist somit für die Herausforderungen der Zukunft bestens gerüstet.

 

KONTAKT

SCHNUTZ GmbH
Siegstraße 75 – 77
57076 Siegen
Tel. +49 271 25062-0

www.schnutz.com

 

Bilder:

Die Einführeinheit / Der Bandhubwagen

(Fotos: Schnutz)

2019-03-27T09:18:12+00:00 26 May 2018|Categories: AKTUELLES|